12.10.2021

Das sind die zukünftigen Vernetzungsexperten

Vor kurzem sind die ersten Elektroniker/-innen für Gebäudesystemintegration in ihre Ausbildung gestartet. Zu den Betrieben, die in dem neu geschaffenen Beruf ausbilden, zählen Elektro Ehinger aus Frankfurt und die Firma Dornhöfer aus Mainz-Kostheim.

Am 1. August bei Elektro Ehinger gestartet: Oskar Palmowski, angehender Vernetzungsexperte (2. v. l.), zusammen mit Geschäftsführer Stefan Ehinger (l.), Sinah Schmitt (2. v. r., kaufmännische Ausbilderin) und Gerald Müller (r., technischer Ausbilder).

Bild: ZVEH
Für Automatisierungsspezialist Dornhöfer im Einsatz: Auszubildender Tim Hütter (M.), Ausbildungskoordinator Christian Wurm (l.) und Geschäftsführer Reimund Niederhöfer.

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Photovoltaik-Anlage, Ladepunkt fürs Elektrofahrzeug, Energiemanagementsystem, Wärmepumpe, Batteriespeicher, Klimaanlage und Einbruchmeldeanlage – mit zunehmender Digitalisierung müssen in einem Gebäude immer mehr Systeme miteinander vernetzt werden, um Wohnen komfortabler, sicherer und energieeffizienter zu machen. Damit das klappt, braucht es jedoch die entsprechenden Experten.

Der Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) hat daher zum Ausbildungsjahr 2021/2022 einen neuen elektrohandwerklichen Ausbildungsberuf geschaffen: den/die Elektroniker/-in für Gebäudesystemintegration. Als Bindeglied zu Gebäudeplanern und Architekten soll er dafür sorgen, dass ganz unterschiedliche Systeme und Anwendungen miteinander kommunizieren können.

Seit 1. August beziehungsweise 1. September in der Ausbildung
Zu den Ersten, die in dem neuen Beruf ausbilden, zählen die Dornhöfer GmbH aus Mainz-Kostheim und die Elektro Ehinger GmbH aus Frankfurt am Main, beide verfügen über ausgewiesene Expertise in Sachen Gebäudeautomation. Bei dem Frankfurter Familienunternehmen ging mit Oskar Palmowski (22) bereits am 1. August ein zukünftiger „Gebäudesystemintegrator“ an den Start. Tim Hütter (22) hatte am 1. September seinen ersten Arbeitstag bei dem auf Automatisierungstechnik spezialisierten Mainzer Betrieb. Als Studienumsteiger gehören sie genau zur Zielgruppe für den neuen Beruf. Denn da die Anforderungen für den/die Elektroniker/-in für Gebäudesystemintegration deutlich komplexer sind als beispielsweise für den/die Elektroniker/-in für Energie- und Gebäudetechnik, werden hier vor allem (Fach-)Abiturienten und junge Erwachsene gesucht, für die sich ein Studium vielleicht doch nicht als zufriedenstellende Wahl erwiesen hat.

So wie bei Tim und Oskar. Weil ihnen das Jura- (Tim) beziehungsweise Informatik-Studium (Oskar) zu theorielastig war und sie sich zudem mit dem Corona-bedingten Lernen auf Distanz nicht so recht anfreunden konnten, hatten sich beide nach einer Alternative umgesehen und sich in Mainz beziehungsweise Frankfurt für eine Ausbildung zum Elektroniker Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik beworben.

Beim Praktikum für den neuen Ausbildungsgang akquiriert
Schon im Laufe des Praktikums zeigte sich, dass beide ein Glücksfall für das jeweilige Unternehmen waren: Sie entsprachen nicht nur in puncto Qualifikation den Anforderungen für den neuen Beruf, sondern bewiesen auch Fingerfertigkeit, handwerkliches Geschick, Spaß am Lernen sowie fachliches Interesse. „Wir haben gezielt nach einem Allrounder gesucht. Nach jemandem, der Spaß am praktischen Arbeiten und realistische Vorstellungen vom handwerklichen Alltag hat“, erinnert sich Stefan Ehinger, Geschäftsführer des Frankfurter Familienbetriebs, – und war umso glücklicher, mit Oskar ins Schwarze getroffen zu haben. Ähnlich war es in Mainz, wo man Tim recht schnell fragte, ob er seine Lehre nicht lieber in dem neuen Beruf beginnen wolle. Die beiden Studienabbrecher zu überzeugen, war nicht schwer und die in Corona-Zeiten noch schwierigere Suche nach potentiellen Kandidaten entfiel für beide Unternehmen.

Angst, zu den Pionieren zu gehören, hatten weder Tim noch Oskar. Zwar gibt es keine Vorgänger, die man zu ihren Erfahrungen befragen könnte und in ihren Berufsschulklassen – im ersten Jahr werden die Gebäudesystemintegratoren noch zusammen mit den Elektronikern für Energie- und Gebäudetechnik beschult – sind beide ein Stück weit Exoten. Ein Hinderungsgrund war das jedoch nicht. Im Gegenteil. „Ich finde es cool, der Erste zu sein“, sagt Oskar, und auch Tim ist sicher: „Mich reizt der neue Beruf sehr. Die Bandbreite der Tätigkeiten ist enorm groß und ich kann hier in alle Bereiche des Unternehmens hereinschauen und Erfahrungen sammeln.“

Nachfrage nach Spezialisten steigt
Mit der Ausbildung zum „Gebäudesystemintegrator“ zählen Dornhöfer Hausautomatik und Elektro Ehinger zu Vorreitern. „Ich wollte ein Signal setzen und von Anfang an dabei sein“, erklärt Stefan Ehinger seine Entscheidung, gleich nach Start des neuen Berufes einen entsprechenden Auszubildenden einzustellen. Auch Reimund Niederhöfer, Geschäftsführer bei Dornhöfer Automation & Haustechnik, wollte, obwohl die Azubi-Suche in Corona-Zeiten bereits eine besondere Herausforderung darstellt, nicht warten. „Der Beruf ist zukunftsträchtig, und der Bedarf war bei uns schon lange da.“ Diese Erfahrung hat auch Stefan Ehinger gemacht: „Anlagen und Systeme werden im Zuge der Digitalisierung immer komplexer. Die Zusammenführung wird damit zunehmend zur Herausforderung. Dafür brauchen wir dringend Spezialisten.“

Dass Tim und Oskar von der ersten Minute an das Gefühl hatten, die richtige Entscheidung getroffen zu haben, verdanken sie auch ihren Betrieben, die sich im Voraus Gedanken über Einbindung und Lerninhalte der Vernetzungsexperten gemacht hatten. „Für uns ist das ein Stück weit eine Blaupause für die nächsten Jahrgänge“, erklärt Christian Wurm, Ausbildungskoordinator bei der Dornhöfer GmbH. Bei Elektro Ehinger kümmern sich mit Gerald Müller (technischer Ausbilder) und Sinah Schmitt (kaufmännische Ausbilderin) sogar gleich zwei Ausbilder um den Nachwuchs und darum, dass er auch das entsprechende praktische Know-how vermittelt bekommt. Und das ist ziemlich umfangreich schließlich zählt das Programmieren von Systemen ebenso zum Aufgabengebiet eines Gebäudesystemintegrators wie das Auswerten von Daten, die Kundenberatung oder die Suche nach Fehlern bei Störungen und Ausfällen. Sogar die digitale Bauplanung, kurz Building Information Modeling (BMI), steht auf dem Stundenplan.

Breites und abwechslungsreiches Aufgabengebiet
„Seinen Blaumann kann Tim später eigentlich im Schrank hängen lassen“, ist Niederhöfer überzeugt: „Denn die Elektrotechnik wird sich im Zuge der Digitalisierung künftig viel stärker aufteilen: in die bloße Projektumsetzung und ins Programmieren. Der klassische Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik kann das gar nicht mehr leisten.“ Lernen, wie man einen Schaltschrank baut, Leitungen verlegt oder Ladepunkte für E-Mobilität installiert, werden Tim und Oskar trotzdem, denn der Vernetzungsexperte braucht natürlich auch praktisches elektro- und informationstechnisches Know-how.

Maximal dreieinhalb Jahre wird die Ausbildung dauern, danach stehen die ersten Elektroniker/-innen für Gebäudesystemintegration bereit. Gerade rechtzeitig, um einen kontinuierlich wachsenden Markt zu bedienen. Denn mit der Energiewende wird der Bedarf an Vernetzungsexperten weiter wachsen. Sollten Tim und Oskar sich nach der Lehre weiter qualifizieren wollen, steht auch dem nichts im Weg: In der Weiterbildung zum Elektrotechnikmeister wird gerade der Schwerpunkt „Gebäudesystemintegration“ ergänzt.

Währenddessen rühren Stefan Ehinger und Reimund Niederhöfer und ihre Ausbilder fleißig die Werbetrommel. Denn es braucht nicht nur Auszubildende mit den entsprechenden Qualifikationen, sondern auch Ausbildungsbetriebe. Um noch mehr Unternehmen dafür zu begeistern, zum Gebäudesystemintegrator auszubilden, plant Stefan Ehinger, Betriebe aus der Rhein-Main-Region noch besser vernetzen und einen Austausch aufzubauen. Reimund Niederhöfer geht sogar noch einen Schritt weiter. Um auch kleinere Betriebe, die selbst nicht alle praktischen Inhalte der Ausbildung anbieten können, zu unterstützen, hat er vor, Ausbildungskooperationen mit seinem Unternehmen anzubieten.

Quelle: ZVEH

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